
Der Dackel erobert die Kunsthalle Bremen
Von Picasso bis Warhol: Eine Kunstikone auf kurzen Beinen
Kurze Beine, langer Körper und ein Selbstbewusstsein, das deutlich größer ist als die eigene Schulterhöhe: Der Dackel hat sich längst vom Jagdhund zur Kultfigur entwickelt. Ab dem 31. Oktober 2026 widmet ihm die Kunsthalle Bremen eine ganze Ausstellung. „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ verfolgt bis zum 28. März 2027 seine Spuren durch Kunst, Alltag und Popkultur – und lässt an ausgewählten Tagen sogar echte Vierbeiner ins Museum.
Der Dackel: Vom Jagdhelfer zum Kunststar

die Reste des Mittagessens von seinem Teller fressen“, Villa La Californie, Cannes 1957, Fotografie, 53 x 35 cm, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster Harry Ransom Center, The University of Texas at Austin
Ursprünglich wurde der Dackel für die Jagd gezüchtet. Sein Körperbau machte ihn zum Spezialisten für die Arbeit unter der Erde. Doch irgendwann führte sein Weg aus dem Bau direkt auf das Sofa, in Großstadtwohnungen, Werbekampagnen und Ateliers.
Dass dabei auch die Kunstwelt Gefallen an dem eigenwilligen Vierbeiner gefunden hat, zeigt die Bremer Ausstellung eindrucksvoll. Rund 120 historische und zeitgenössische Werke beschäftigen sich mit dem Dackel und seiner Rolle zwischen Tier, Familienmitglied, Statussymbol und Projektionsfläche.
Vertreten sind bekannte Namen der Kunstgeschichte wie Pablo Picasso, Otto Dix, Max Liebermann, David Hockney, Andy Warhol, Édouard Vuillard und Rosemarie Trockel. Zu sehen sind unter anderem Malerei, Zeichnung, Fotografie, Video, Installation und Performance. Ergänzt wird die Schau durch Beispiele aus Buchillustration, Spielzeug, Design und Populärkultur.
Leihgaben kommen unter anderem aus dem Louisiana Museum of Modern Art, dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, dem Musée d’Art Moderne de Paris, der Royal Collection in London und dem Andy Warhol Museum in Pittsburgh.

Wenn Picasso, Hockney und Warhol auf den Hund kommen
Die enge Verbindung zwischen Künstlerinnen und Künstlern sowie ihren Dackeln ist keineswegs nur eine Randnotiz. Picasso hatte mit Lump einen berühmten Dackel an seiner Seite. David Hockney machte seine Hunde Stanley und Boodgie zu Motiven zahlreicher Arbeiten, während Andy Warhol häufig mit seinem Dackel Archie unterwegs war.
Damit erzählt die Ausstellung nicht nur eine Geschichte über Tierdarstellungen. Sie beschäftigt sich auch mit der Frage, warum Menschen bestimmten Tieren Eigenschaften zuschreiben und sie zu Symbolen machen. Beim Dackel reicht das Spektrum von Treue und Eigensinn bis zu Humor, Bürgerlichkeit und modischem Statement.
Hereingedackelt! In Bremen dürfen kleine Hunde tatsächlich mit ins Museum
Eine Ausstellung über Dackel, bei der Dackel draußen bleiben müssen? Das wäre wohl nur die halbe Geschichte. Während der Laufzeit öffnet die Kunsthalle deshalb regelmäßig ihre Türen auch für tierische Gäste. Donnerstags von 12 bis 18 Uhr ist „Dackel-Donnerstag“, samstags von 12 bis 16 Uhr „Sausage-Dog-Saturday“. Willkommen sind Dackel und kleine Hunde bis zu einer Schulterhöhe von 30 Zentimetern.

Der Museumsbesuch auf vier Pfoten muss allerdings geplant werden. Er ist nur mit einem vorab gebuchten Onlineticket und einem festen Zeitfenster möglich. Das Hundeticket ist kostenlos, gilt aber ausschließlich in Verbindung mit einer regulären Eintrittskarte. Die Zahl der verfügbaren Hundetickets ist begrenzt. Nicht alle Bereiche der Sonderausstellung sind mit Hund zugänglich. Drei von insgesamt acht Ausstellungsräumen dürfen gemeinsam mit dem Vierbeiner besucht werden.

Für Pausen richtet die Kunsthalle außerdem eine Dackel-Lounge im Saal unmittelbar vor dem Ausstellungsbereich ein. Dort gibt es Sitzmöglichkeiten für Zwei- und Vierbeiner. Die Kunsthalle empfiehlt, den Besuch möglichst zu zweit zu planen: Während eine Person den Hund in der Lounge betreut, kann die andere die übrigen Räume der Ausstellung besuchen. Anschließend wird gewechselt. So wird aus dem Museumsbesuch ein kleiner Staffellauf – nur eben mit deutlich kürzeren Beinen.
Eine Bremer Ausstellung mit besonderem Biss
Auch abseits der klassischen Ausstellung setzt die Kunsthalle auf einen spielerischen Zugang zum Thema. Mit dem „Dackelier“ gibt es beispielsweise ein offenes Atelier rund um die Dackel-Kunst. Dort können Kinder, Familien und Erwachsene selbst kreativ werden. Das Format findet während der Ausstellungszeit regelmäßig statt und ist ebenfalls für Hunde und Menschen geöffnet.
Gerade darin liegt der besondere Reiz der Schau: Ein auf den ersten Blick leichtes und humorvolles Thema wird zum Ausgangspunkt für Fragen zu Kunstgeschichte, Gesellschaft und zum Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Die Kunsthalle Bremen macht den Dackel zum Hauptdarsteller, ohne ihn lediglich als niedliches Motiv zu behandeln.
Die Ausstellung „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ ist vom 31. Oktober 2026 bis zum 28. März 2027 in der Kunsthalle Bremen zu sehen.
Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenspecials „Kunst in Bremen“. Sind Sie interessiert an mehr Artikeln dieser Art? Schauen Sie sich unsere Sammlung von Beiträgen rund ums Thema an.

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